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Das Rosenfest in Kranichfeld

 

Was wird Herrn Gottfried Pfeiffer und seine Gattin 1878 veranlasst haben, ein Legat für die Kranichfelder Kinder zu stiften? Sicher zuerst die Liebe zu den Kindern, die sie leider nicht selbst haben konnten, und auch etwa die Eitelkeit, denn damit war das Andenken an sie für viele Jahre gesichert. Die Zinsen des Legats sollten für ein zur Zeit der Rosenblüte stattfindendes Kinderfest verwendet werden. Mit dem Kinderfest fiel der Beginn der Schulferien zusammen, das waren zwei Gründe für die Kinder das Rosenfest, wie es fortan gefeiert wurde, ungeduldig erwartet. Konnte es sich die Familie leisten, gab es für die Mädchen ein neues Kleid und für die Knaben ein neues Hemd. Die Neuanschaffung wurde später an die Geschwister weitervererbt. Darum musste man auch ehr Acht geben, dass beim Bratwurstessen kein Fleck auf das gute Stück gebracht wurde. Bratwurst und Brezel waren die traditionelle Rosenfestgabe an die Kranichfelder Jugend. Dafür mussten sie fein aufmarschieren, an den Gräbern der Fam. Pfeiffer einen Kranz niederlegen u einen Choral singen. Zuerst auf dem Meyenplatz (vor dem Baumbachhaus, später viele Jahre auf dem Schützenplatz (Sportplatz am Oberschloss), führten die Kinder am Nachmittag ihren Rosenreigen mit Rosenbögen und Rosenstäben vor. Mit Wettspielen und anderen Belustigungen endete der Tag. Noch heute sind selbst die ältesten Kranichfelder stolz, als Kinder im Rosenreigen mitgetanzt zu haben.

 

Nur die beiden Weltkriege unterbrachen das Stattfinden des Rosenfestes und schon 1928 konnte man auf 50 Jahre „ Rosenfest in Kranichfeld“ zurückblicken. Das Geld der Pfeiffers war verfallen. So wurde Jahr für Jahr eine Sammlung im Ort durchgeführt und das Fest konnte weiter stattfinden. Nach dem 2. Weltkrieg war nicht das Geld das fehlte, es war das Fleisch zur Bratwurst, das schwer zu bekommen war. Ein „schwarz“ geschlachtetes Schwein rettete die Wurst für die Kinder.

 

In den nächsten Jahren übernahm ein Rosenfestkomitee die Planung, Durchführung und Absicherung des Rosenfestes, durch Sammlungen bei der Bevölkerung und Spenden der Betriebe. 1978, zum 100. Rosenfest, das würdig und mit großem Aufwand gefeiert wurde, kamen viele Gäste in unsere Stadt. Wie jedes Jahr lockte der Festumzug viele Schaulustige an und nach den Rosenfestkindern mit ihren Rosenbögen schlossen sich die Kranichfelder Betriebe und auch Vereine an.

 

Im letzten Jahrzehnt vor der Wende hatte man versucht das traditionelle Rosenfest zu „Gemeindeverbandsfestspielen“ umzuwandeln. Für die Kranichfelder blieb es ihr Rosenfest und jeder Erwachsene, der hier geboren und aufgewachsen war, sah sich beim Anblick der Rosenreigenkinder an seine Kindheit erinnert. 1981 wurde zum Rosenfest erstmals eine Rosenkönigin gewählt, eine liebenswürdige Bereicherung des Festes. Neben Charme und gutem Aussehen ist das Wissen um die Geschichte ihres Heimatortes Kriterium für die Wahl der Rosenkönigin.

 

Aus den Anfängen von 1878 hat sich das Rosenfest zu einem wirklichen Heimat- und Volksfest entwickelt. Heute sind die Freileichtbühne und  der Planhof an der Niederburg Ort des Geschehens. Zur großen Freude aller Kranichfelder und ihrer Gäste wird seit 1992 in zweijährigem Rhythmus das Rosenfest in Verbindung mit dem Thüringer Tanzfest  gefeiert.